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Böse Rhododendron - Gute Rhododendron

Müssen die Rhododendren raus aus den Gärten?

Ganz klar: Nein! In der letzten Zeit werden immer mehr Vorurteile gegenüber fremdländische Gehölze in den Medien verbreitet. Dabei wurde schon der Kirschlorbeer und die Thujahecke mit dem „ökologischen Wert einer Betonmauer“ betitelt, was natürlich völlig überzogen ist. Leider wird nun an einigen Stellen auch der Rhododendron in Sippenhaft genommen und als fremdländische Pflanze ohne ökologischen Nutzen verteufelt. Daher wird es Zeit auch mal mit Vorurteilen aufzuräumen:

Rhododendron sind nicht heimisch

Die Gattung Rhododendron ist über die gesamte Nordhalbkugel der Erde verteilt. Wobei die meisten Wildarten, mehr als 500 Arten, sicherlich in Asien beheimatet sind. Dort zieht sich das Verbreitungsgebiet auch weiter nach Süden. Subtropische und tropische Arten kommen auch in Malaysia, Indonesien bis in das nördliche Australien vor. In Nordamerika sind es etwa 20 bis 30 Arten. Nur in Afrika und Südamerika fehlt die Gattung vollständig. Bei uns in Europa gibt es elf heimische Arten: Rhododendron ferrugineum (die Rostblättrige Alpenrose oder auch „Almrausch“ genannt), Rhododendron hirsutum (die Bewimperte Alpenrose), Rhododendron intermedium (die Naturhybride aus Rh. ferrugineum und Rh. hirsutum), Rhododendron tomentosum (der Sumpfporst), Rhododendron myrtifolium (die Siebenbürger Alpenrose), Rhododendron lapponicum (Zwergrhododendron aus Lappland), Rhododendron luteum (die Gelbe Azalee), Rhododendron ponticum (der Pontische Rhododendron), Rhododendron caucasicum (der Kaukasische Rhododendron), Rhododendron smirnowii (Smirnows Rhododenrdron), Rhododendron ungernii (ebenfalls aus dem Kaukasus, aber mit weißer Blüte). Die vier erst genannten Arten kommen auch in Deutschland vor, wobei mit Ausnahme des Sumpfporst alle in den Alpen heimisch sind. Der Sumpfporst hingegen ist verbreitet von Tschechien über Deutschland und Skandinavien bis nach Grönland und kommt auch in Kanada und Alaska (dort als „Labrador Tea“ bezeichnet) vor. In Deutschland ist er allerdings nahezu ausgestorben und steht mit seinem Synonym Ledum palustre auf der Liste der bedrohten Arte

Pink    Indigo Steel    complexum   Astilboides tabularis
Rhododendron moupinense 'Pink'   Rhododendron fastigiatum 'Indigo Steel'  

Rhododendron complexum

  Rhododendron hybr. 'Wee Bee'

 

Rhododendron sind invasiv

Nur eine einzige von den über 1000 Rhododendronarten gilt in Europa als invasiv: Der Pontische Rhododendron (Rh. ponticum). Er verbreitet sich durch Aussaat vor allem in England, Schottland und Irland. Aber auch auf dem europäischen Festland tritt er als invasive Art vor allem in milderen und feuchteren küstennahen Gebieten in Belgien, den Niederlanden und Frankreich auf.

Sind Rhododendren also invasiv? Für Einen unter Tausend muss man das bestätigen! Wenn der Gartenbesitzer eine invasive Ausbreitung vermeiden will, dann sollte er auf Rhododendron ponticum und seine Sorten ('Variegatum', 'Filigran' oder 'Graziella') verzichten oder aber die verblühten Blütenstände einfach auskneifen, um ein Versamen zu verhindern.

Merganser    Isola Bella    Rh stewartsonian   oldhamii
Rhododendron hybr. 'Merganser'   Rhododendron 'Isola Bella'  

Rhododendron obtusum 'Stewartsonian'

  Rhododendron oldhamii

Rhododendron wachsen nur auf Torf

Stimmt nicht! Von über 1000 Rhododendron-Arten, gibt es meines Wissens nur eine einzige Art, die in Mooren auf Torf wächst: Rhododendron tomentosum (syn.: Ledum palustre). Also der einzige in Norddeutschland heimische Rhododendron, der allerdings aufgrund der Trockenlegung und Kultivierung der Moore praktisch ausgestorben ist.

Brauchen Rhododendren Torf?

Für einen von Tausend kann man dies bestätigen! Wollen Sie also Rhododendron tomentosum im Garten halten, ist die Anlage eines Moorbeetes sicher zu empfehlen. Alle übrigen Rhododendronarten sind nicht auf Torf angewiesen. Diese Leben als Unterholz in den Wäldern Nordamerikas oder den Bergwäldern Asiens auf der Humusauflage, die jedes Jahr durch den Laubfall der Gehölze des Waldes erneuert wird. Nur selten verirrt sich die eine oder andere Wurzel auf der Suche nach Wasser in den darunter befindlichen Mineralboden. Flach wurzelnde Speziallisten also, die gar nicht erst in Konkurrenz treten mit den Waldriesen, die sich mit ihren Wurzeln tief im Boden verankern, sondern die davon leben, dass sich im Humus genügend Feuchtigkeit sammelt und durch die Zersetzungsprozesse ständig Nährstoffe nachgeliefert werden. Wer seine Rhododendronbeete regelmäßig mit Rohhumus versorgt, kann auf Torf vollständig verzichten. Wenn im Herbst das Laub fällt, dann bitte unter die Rhodos damit – statt Torf! Eichen- oder Kirschenlaub, Nadelspreu von Kiefern und Fichten, die oft als problematisch angesehen werden, sind für Rhododendren besonders hilfreich, da sie den Boden ansäuern und aufgrund der langsamen Zersetzung nachhaltig für eine locker Auflage sorgen.

Übrigens: Wer meint dennoch ein Pflanzsubstrat einsetzen zu müssen, um das Anwachsen zu fördern, der findet heute auch torffreie Rhododendronerde im Angebot. Darin wächst sogar der Sumpfporst völlig ohne Torf.

 Karminduft    Juniduft   Wombat    Rhododendron kiusianum
Rhododendron 'Karminduft'    Rhododendron 'Juniduft'    Rhododendron obtusum 'Wombat'    Rhododendron kiusianum

Rhododendron müssen ständig bewässert werden

Viele Rhododendronarten, die an sonnige Standorte adaptiert sind, besitzen eine dicke Wachsschicht auf den Blättern, die z. T. optisch gut sichtbar ist, wie z.B. bei Rh. makinoi oder Rh. smirnowii. Andere schützen sich durch eine feine Behaarung im Austrieb und/oder durch Integumente auf der Blattunterseite, wie z.B. Rh. bureauvii oder Rh. yakushimanum. Aber alle Rhododendren sind Flachwurzler. Sie sind daher nicht in der Lage sich Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erschließen. Daher ist auch die Mulchschicht auf den Wurzelballen wichtig, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten und die Transpiration aus dem Boden zu mindern. Eine Erhöhung der Luftfeuchte ist in jedem Fall nützlich, da viele Arten aus Hochgebirgslagen stammen, die immer wieder von Wolken umhüllt sind. Die Anlage eines Gartenteiches oder die Pflanzung von möglichst tief wurzelnden Begleitgehölzen hilft, um ein entsprechendes Kleinklima zu schaffen.

Rhododendron wachsen nur im Schatten

Von den natürlichen Standorten her könnte man die bei uns winterharten Rhododendronarten vereinfacht in zwei Gruppen einteilen:

1) Rhododendron, die in der Natur meist in Wäldern wachsen. Diese Leben als Unterholz in den Wäldern Nordamerikas oder den Bergwäldern Asiens auf der Humusauflage, die jedes Jahr durch den Laubfall der Gehölze des Waldes erneuert wird.

2) Die Hochgebirgsrhododendron. Diese leben, wie wir es von den Alpenrosen, den beiden Arten unserer Alpen kennen, oberhalb der Baumgrenze meist in voller Sonne auf der dünnen Humusauflage, die sich in Felsspalten der Hochgebirge sammelt. Nicht nur bei uns in den Alpen, sondern vor allem im Himalaya kommen viele dieser Arten bis in Höhen von 4500m vor. Das ständig fließende Schmelzwasser der darüber befindlichen Gletscher und die oft wolkenverhangenen Hochgebirge versorgen die Pflanzen mit Wasser. „Wenn Sie also zu Hause einen Steingarten mit einem sonnigen Hang und einem kleinen Eisberg auf der Spitze haben, sind das genau die richtigen Pflanzen für Sie“ (sinngemäßes Zitat von Herrn Schepker, Rhododendronpark Bremen). Oder wir müssen halt etwas tun, um diesen kleinen Schätzen das Leben in unserem Garten erträglich zu machen. Humus! Gelegentlich wässern! Für hohe Luftfeuchte sorgen (Nähe des Gartenteiches oder in windgeschützte Lage zwischen größeren Gehölzen, wo wenigstens doch für ein paar Stunden am Tag die Sonne hin scheint).

Rhododendron haben nur eine kurze Blütezeit

April bis Mai – schon vorbei. Das stimmt ganz und gar nicht. Die Blütezeit der Rhodos erstreckt sich bei uns von Februar (Rhododendron moupinense) bis in den August (Rhododendron prunifolium). Insgesamt also mehr als ein halbes Jahr Blütezeit im Rhododendronbeet. Es ist sogar noch etwas mehr drin. In manchen Jahren sieht man einige Sorten, wie die alte Sorte 'Cunningham's White', auch schon mal im Oktober blühen. Das haben sich die Züchter zu Nutze gemacht und so sind in den letzten Jahren auch Sorten wie 'Septemberflair', 'Herbstzauber' oder 'Herbstfreude' auf den Markt gekommen, bei denen sich die Blüten zuverlässig schon nach wenigen kalten Nächten im September oder Oktober öffnen und eben nicht erst im Mai. Bei der richtigen Sortenwahl hat man also Blüten von Februar bis Oktober. Ergänzen wir das Ganze mit einer Herbstzaubernuss (Hamamelis virginiana) und einigen Pflanzen der Hamamelis x intermedia oder der Hamamelis japonica, die bekannter Massen die gleichen Bodenansprüche haben wie Rhododendron, bekommen wir eine ganzjährige Blüte.

Rhododendron sind langweilig

Wer nur immergrüne Rh catawbiense und die mit ihnen verwandten Hybriden pflanzt, wird nach der Blüte im Sommer wie im Winter einfach nur vor einer grünen Wand stehen. Die Mischung machts! Wie im vorangegangenen Absatz gezeigt, kann man die Blütezeit durch die richtige Sortenwahl strecken. Die vielen Azaleen lassen sich mit Rhododendron gut kombinieren. Viele laubabferfende Azaleen bestechen nicht nur mit ihren Blütenfarben, sondern auch mit einem betörenden Duft (besonders die Rh. viscosum-Gruppe) und im Herbst mit leuchtendem Herbstlaub. Und „dufte“ sind nicht nur die Blüten: Viele immergrüne Wildarten und ihre Hybriden duften auch im Laub (z.B.: Rh. campylogonum, einige der Rh. impeditum-Gruppe, Rh. xanthcodon und viele andere). Streichen Sie mal über die Blätter solcher Arten. Dann sind da noch die Laubschönen. Die vielen Rh. yakushimanum-Hybriden oder Rh. bureauvii mit seinen Hybriden, die nach der Blüte mit einem behaarten Austrieb aufwarten, der je nach Art und Sorte silbrig weiß bis rotbraun leuchtet. Und dann noch die blaublättrigen wie Rh. xanthocodon, die Sommergrüne Azalee 'Midsummer Mermaid' und andere, die sich sich von dem Einheitsgrün genauso abheben, wie auch die buntblättrigen Sorten, wie 'Flaming Gold' oder die neue Sorte 'Golden Green Gift'. Also alles andere als langweilig!

Rhododendron sind ökologisch nicht wertvoll

Das wissen aber die Hummeln, die Bienen, die Wildbienen und die kleinen Käfer nicht, die sich zur Blütezeit in dem Blütenmeer tummeln. Der Rhododendronpark in Bremen bietet übrigens auch Rhododendronhonig an. Im Schutz des dichten Laubes der Rhododendron nisten, von uns oft unentdeckt, auch zahlreiche Vögel.

Rhododendron sind giftig

Das ist zweifellos richtig! Also bitte nicht essen! Der Pontische Rhododendron ist dafür bekannt, dass das Gift auch in nennenswerten Mengen über den Nektar und Pollen in den Honig gelangt. Die Bienen produzieren dann den sogenannten Tollhonig, der in geringen Mengen genossen zu Halluzinationen, aber in höherer Dosierung auch zu schweren Vergiftungen führen kann. Bei den meisten anderen Arten ist der Honig aber unbedenklich.

Rhododendron hat auch heilende Wirkung. Der Sumpfporst (Rh. tomentosum) wurde von den Indianern und Eskimos zu einem Tee, dem Labradortee, verarbeitet, der eine heilend Wirkung besitzen soll. Die Blätter und Zweige wurden wegen ihrer berauschenden Wirkung auch zum Räuchern benutzt. Auch in Indien und Indonesien werden verschiedene Rhododendronarten medizinisch genutzt. Ein Team der Universität Bremen forscht an der Heilwirkung von Rhododendron. Man hofft aus den Giftstoffen Mittel zur Krebsheilung sowie auch neue Antibiotische Medikamente gewinnen zu können, wie der Weserkurier bereits 2015 berichtete.

Für Imker ist interessant, dass Zweige vom Sumpfporst (Rh. tomentosum) auch zur Bekämpfung der Varroamilbe in Bienenstöcken eingesetzt werden können.
Und zu guter Letzt: Grutbiere enthalten neben Gagel und verschiedenen anderen Kräutern oft auch Sumpfporst. Das darin enthaltene Ledol hat eine berauschende Wirkung, die die Alkoholwirkung des Bieres verstärkt.Ich rate aber ausdrücklich davon ab, das selbst auszuprobieren. Denn zu viel kann zu schweren Vergiftungen bis hin zum Tode führen.

Müssen die Rhododendren also raus aus den Gärten? - Wir sagen Nein, denn sie können sogar eine Bereicherung sein.

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  • Gut beschrieben