Cistus incanus ist eine klassische Zistrosenart des Mittelmeerraums und kommt von der Iberischen Halbinsel über Italien bis nach Griechenland und Kleinasien vor. Sie besiedelt dort trockene, offene Standorte in Macchien, Garriguen und auf felsigen Hängen, meist auf kalkhaltigen Substraten. Bereits in der Antike war die Pflanze bekannt: Schon die alten Ägypter nutzten Harze und Öle verschiedener Zistrosenarten, darunter auch Cistus incanus, für medizinische, kosmetische und rituelle Zwecke.
Wuchs & Blätter / Blüte / Früchte
Cistus incanus wächst als niedriger, dicht verzweigter Zwergstrauch und erreicht meist Höhen von 40–80 cm bei ähnlicher Breite. Der Wuchs ist kompakt, oft leicht polsterartig, und gut an extreme Trockenheit angepasst.
Die Blätter sind grau- bis graugrün, weich behaart und reich an sekundären Pflanzenstoffen. Sie enthalten Polyphenole und Gerbstoffe, die für den heute verbreiteten Einsatz als Tee genutzt werden. Die Behaarung reduziert die Verdunstung und schützt vor intensiver Sonneneinstrahlung.
Die Blüten erscheinen im Frühsommer. Sie sind rosa bis purpurfarben und wirken typisch „zerknittert“, da die Kronblätter stark geknüllt sind. Jede Einzelblüte ist nur kurzlebig, wird jedoch über Wochen hinweg kontinuierlich ersetzt. Die Blüten werden intensiv von Bienen, Wildbienen und anderen Insekten besucht. Die Fruchtbildung spielt im Garten kaum eine Rolle.
Besonderheit / Verwendung in der Heimat / Kulturgeschichte
Cistus incanus gehört zu den kulturgeschichtlich bedeutenden Zistrosenarten. Die Blätter werden bis heute zur Herstellung von Kräutertees verwendet, denen eine adstringierende, antioxidative und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben wird. In der mediterranen Volksmedizin fand die Pflanze Anwendung bei Erkältungen, Entzündungen und zur allgemeinen Stärkung.
Im Gegensatz zu vielen anderen Zistrosen gilt Cistus incanus als vergleichsweise frosttolerant und zählt zu den wenigen Arten, die in Mitteleuropa auch strengere Frostperioden ausgepflanzt überstehen können, sofern Standort und Boden stimmen.
Standort & Pflege
Ideal ist ein vollsonniger Standort mit sehr gut durchlässigem, trockenem Boden. Kalkhaltige, steinige oder sandige Substrate werden bevorzugt. Staunässe, insbesondere im Winter, wird schlecht vertragen und ist die häufigste Ausfallursache.
Nach dem Anwachsen ist Cistus incanus extrem pflegeleicht und trockenheitsverträglich. Auf zusätzliche Düngung sollte verzichtet werden. Ein Rückschnitt ist in der Regel nicht notwendig; wenn gewünscht, nur sehr vorsichtig nach der Blüte und ohne ins alte Holz zu schneiden.
Die Art eignet sich sowohl für ausgepflanzte Standorte als auch für die Kübelkultur, wobei im Topf besonders auf perfekten Wasserabzug zu achten ist.
Klimatische Aspekte
Winterhärtezone: 7–8
Cistus incanus gilt als eine der frosthärtesten Zistrosen. Entscheidend für das Überleben im Winter ist weniger die Kälte als vielmehr Trockenheit im Wurzelbereich. Kalte, nasse Böden werden deutlich schlechter vertragen als kurze Frostperioden.
Praxistipp
Ideal für sonnige Steingärten, mediterrane Beete, Trockenmauern und Kiespflanzungen. Eine mineralische Mulchschicht aus Splitt oder Kies verbessert die Drainage und erhöht die Winterfestigkeit. In Regionen mit feuchten Wintern ist ein leicht erhöhter Pflanzplatz oder eine Hanglage besonders empfehlenswert.













