Herkunft und Einordnung
Amelanchier alnifolia ‘Honeywood’ ist eine kanadische Fruchtsorte der Erlenblättrigen Felsenbirne aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).
Die Wildart Amelanchier alnifolia ist im westlichen und nördlichen Nordamerika weit verbreitet. Ihre Früchte sind unter der Bezeichnung Saskatoon Berries bekannt und besitzen insbesondere in den kanadischen Prärieprovinzen eine lange Tradition als Wild- und Kulturfrucht.
‘Honeywood’ stammt aus Saskatchewan in Kanada und ist keine gezielte Kreuzung aus einem modernen Züchtungsprogramm. Ihre Geschichte beginnt bei der Honeywood Nursery von A. J. „Bert“ Porter nahe Parkside.
Porter entdeckte dort um 1955 eine besonders interessante wild wachsende Felsenbirne. Aus Samen dieser ausgewählten Pflanze zog er Nachkommen heran. Einer dieser Sämlinge wurde aufgrund seiner guten Fruchteigenschaften ausgewählt und später unter dem Namen ‘Honeywood’ verbreitet.
Die Sorte wurde 1973 eingeführt.
Ihr Name bezieht sich damit nicht auf einen vermeintlich honigartigen Geschmack der Früchte, sondern auf Porters Honeywood Nursery.
Wuchs und Blätter
‘Honeywood’ wächst als aufrechter, mehrstämmiger Strauch. Mit zunehmendem Alter entwickeln sich die zunächst aufrechten Äste zunehmend ausladend bis bogig überhängend.
Die Sorte bildet vergleichsweise wenige Wurzelausläufer. Das ist insbesondere bei einer Felsenbirne, die zur Fruchtnutzung kultiviert wird, eine angenehme Eigenschaft.
Die internationale Sortenregistrierung für Amelanchier nennt eine mögliche Höhe von bis zu etwa 5 m und eine Breite bis ungefähr 4 m.
Die häufig im Pflanzenhandel genannten 2 bis 3 m sollten deshalb nicht als endgültige Maximalgröße verstanden werden. Der Strauch wächst jedoch vergleichsweise langsam in die Breite und bleibt durch seine geringe Ausläuferbildung gut kontrollierbar.
Die sommergrünen Blätter sind rundlich bis elliptisch beziehungsweise verkehrt-eiförmig und besitzen einen deutlich gezähnten Blattrand.
Im Herbst verfärbt sich das Laub gelblich bis orange und rötlich.
Blüte und Früchte
Im Frühjahr erscheinen die weißen Blüten in aufrechten Blütentrauben.
Eine Besonderheit von ‘Honeywood’ ist ihr vergleichsweise später Blühbeginn. Nach der internationalen Sortenregistrierung öffnet sie ihre Blüten etwa vier bis acht Tage später als andere Saskatoon-Sorten.
Auch die Früchte reifen vergleichsweise spät innerhalb des Sortiments. Eine pauschale Angabe „erst ab August“ ist jedoch nicht sinnvoll, da der Reifezeitpunkt stark von Klima, Standort und Jahreswitterung abhängt.
Die reifen Früchte sind purpurschwarz und nur schwach bereift. Sie stehen in relativ dichten Trauben mit etwa 9 bis 15 Früchten.
Die internationale Sortenregistrierung nennt einen durchschnittlichen Fruchtdurchmesser von etwa 12,3 mm. Andere historische Beschreibungen berichten von Einzelfrüchten bis etwa 15 mm.
Das Fruchtfleisch ist saftig. Der Geschmack wird in der Sortenregistrierung als ausgezeichnet, voll und leicht säuerlich beziehungsweise würzig beschrieben. Die Früchte enthalten etwa 15,4 % lösliche Feststoffe.
Von einem speziellen Honigaroma ist in den ursprünglichen Sortenbeschreibungen dagegen keine Rede.
‘Honeywood’ gilt als sehr ertragreich und beginnt bereits als relativ junge Pflanze mit der Fruchtbildung.
Die Früchte eignen sich zum Frischverzehr und können ebenso zu Konfitüren, Kompott, Säften, Gebäck und anderen Fruchtzubereitungen verarbeitet werden.
Besonderheiten und Kulturgeschichte
Die Geschichte von ‘Honeywood’ ist eng mit einer außergewöhnlichen kanadischen Baumschule verbunden.
A. J. „Bert“ Porter gründete die Honeywood Nursery bei Parkside in Saskatchewan und beschäftigte sich intensiv mit Pflanzen, die unter den extremen klimatischen Bedingungen der kanadischen Prärien gedeihen konnten.
Um 1955 entdeckte Porter in der Nähe seiner Baumschule eine besonders interessante wild wachsende Saskatoon-Pflanze. Von deren Früchten gewann er Samen und zog daraus Sämlinge heran.
Einer dieser Sämlinge überzeugte durch große Früchte, guten Geschmack, hohen Ertrag und geringe Ausläuferbildung. Er erhielt schließlich den Namen ‘Honeywood’ nach Porters Baumschule und wurde 1973 eingeführt.
Bemerkenswert ist, dass die ursprüngliche Pflanze von Porter noch viele Jahrzehnte später in der Honeywood Nursery vorhanden war. Nachdem sie im hohen Alter stark geschwächt war, wurde sie 2009 bis zum Boden zurückgeschnitten und trieb anschließend erneut aus.
‘Honeywood’ gehört damit zu den Saskatoon-Sorten, deren Entstehung sich unmittelbar auf die Auslese nordamerikanischer Wildbestände zurückführen lässt.
Die Nutzung von Saskatoon-Früchten selbst ist wesentlich älter als diese Sorte. Amelanchier alnifolia gehört zu den traditionellen Nahrungspflanzen verschiedener indigener Bevölkerungsgruppen Nordamerikas. Diese kulturgeschichtliche Nutzung betrifft die Wildart und ihre Früchte und darf nicht mit der erst im 20. Jahrhundert entstandenen Sorte ‘Honeywood’ gleichgesetzt werden.
Standort und Pflege
‘Honeywood’ eignet sich für sonnige bis halbschattige Standorte. Für einen guten Fruchtansatz und eine gleichmäßige Fruchtreife ist ein sonniger Standort günstig.
Amelanchier alnifolia ist hinsichtlich des Bodens relativ anpassungsfähig. Geeignet sind normale Gartenböden, sofern sie ausreichend durchlässig sind.
Eine gleichmäßige Wasserversorgung unterstützt insbesondere während der Etablierung sowie während der Fruchtentwicklung ein gutes Wachstum. Dauerhafte Staunässe sollte vermieden werden.
Aufgrund der vergleichsweise geringen Ausläuferbildung ist ‘Honeywood’ einfacher als stark ausläufertreibende Saskatoon-Sorten als einzelner Strauch zu kultivieren.
Ein regelmäßiger starker Rückschnitt ist nicht erforderlich. Bei älteren Pflanzen können einzelne alte oder ungünstig stehende Triebe bodennah entfernt werden, um den Strauch auszulichten und den Aufbau jüngerer Triebe zu fördern.
Klimatische Aspekte
‘Honeywood’ entstand unter den ausgesprochen kontinentalen Klimabedingungen Saskatchewans und besitzt eine sehr gute Winterhärte.
Die internationale Sortenregistrierung beschreibt die Sorte als winterhart bis USDA-Zone 2. Damit ist sie deutlich frosthärter, als die gelegentlich angegebene Einstufung in Zone 4 oder 5 vermuten lässt.
Auch die University of Saskatchewan weist auf die außerordentliche Winterhärte von Saskatoon-Sorten hin. Winterkälte ist bei ‘Honeywood’ daher in weiten Teilen Mitteleuropas normalerweise nicht der begrenzende Faktor.
Für ‘Honeywood’ wird außerdem eine vergleichsweise gute Trockenheitsverträglichkeit beschrieben. In der internationalen Sortenregistrierung wird sie sogar als trockenheitsverträglicher als verschiedene Sorten aus Alberta bezeichnet.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Wassermangel während Blüte und Fruchtentwicklung ohne Auswirkungen bleibt. Für große, saftige Früchte ist eine ausreichende Wasserversorgung weiterhin günstig.
Eine besondere Eigenschaft für Regionen mit Spätfrostgefahr könnte der gegenüber anderen Saskatoon-Sorten um einige Tage verzögerte Blühbeginn sein.
Praxistipp
Wer verschiedene Saskatoon-Sorten anbaut, kann mit ‘Honeywood’ die Ernteperiode nach hinten erweitern.
Dabei sollte man sich nicht auf einen festen Monat als Erntezeit verlassen. Entscheidend ist die vollständige Ausfärbung und Reife der Früchte am jeweiligen Standort.
Die Sorte ist außerdem interessant, wenn eine Felsenbirne zur Fruchtnutzung gewünscht wird, die nicht ständig zahlreiche Wurzelausläufer bildet. ‘Honeywood’ treibt vergleichsweise wenig Ausläufer und entwickelt sich mit zunehmendem Alter zu einem stattlichen, mehrstämmigen Strauch.
Bei der Pflanzung sollte deshalb mehr Platz eingeplant werden, als die häufig genannten 2 bis 3 m vermuten lassen. Historische Sortenbeschreibungen nennen langfristig bis etwa 5 m Höhe und 4 m Breite.
Zusätzliche Quellen
Zatylny, A. M. & St-Pierre, R. G. – Revised International Registry of Cultivars and Germplasm of the Genus Amelanchier; Herkunft und Einführung von ‘Honeywood’, Wuchs, Blüh- und Reifezeit, Fruchtgröße, Geschmack, Ertrag, Ausläuferbildung, Trockenheits- und Winterhärte.
University of Saskatchewan, College of Agriculture and Bioresources – Saskatoons; Einordnung von ‘Honeywood’ als spät reifende Saskatoon-Sorte, Fruchtgröße und geringe Ausläuferbildung.
University of Saskatchewan Fruit Program – Saskatoon Genebank; Amelanchier alnifolia ‘Honeywood’ und Herkunft aus Parkside, Saskatchewan.
Agriculture Canada – Tree Fruit Production for the Prairie Provinces; ‘Honeywood’ als Amelanchier alnifolia-Sämling, Herkunft aus Saskatchewan, Produktivität, Fruchtgröße und Einführung 1973.
Honeywood (Dr. A. J. Porter) Heritage Nursery – historische Dokumentation zu ‘Honeywood’; A. J. Porter, Entstehung der Sorte, Einführung 1973, ursprüngliche Mutterauslese und Geschichte der Originalpflanze.









