Chamaedaphne calyculata ‘Nana’, die Zwerg-Sumpfheide, gehört zu den Heidekrautgewächsen. Die Art besitzt ein sehr großes nördliches Verbreitungsgebiet. Es erstreckt sich von Nordosteuropa über Russland und Sibirien bis nach Nordjapan sowie über Alaska und Kanada bis in die nördlichen und östlichen USA. Dort wächst sie vor allem in sauren Hoch- und Übergangsmooren, auf feuchten Torfböden, an Moorgewässern und teilweise sogar auf schwimmenden Torfmoosmatten.
Chamaedaphne ist eine botanische Besonderheit, denn die Gattung umfasst nur diese eine Art. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern chamai für „nahe am Boden“ und daphne für „Lorbeer“ zusammen. Gemeint ist ein niedriger Strauch mit ledrigen, lorbeerähnlichen Blättern.
Wuchs & Blätter / Blüte / Früchte
‘Nana’ wächst deutlich niedriger und dichter als die Wildform. Der immergrüne Zwergstrauch erreicht meist etwa 30 bis 50 Zentimeter Höhe und entwickelt mit der Zeit eine kompakte, fein verzweigte Gruppe. Durch unterirdische Ausläufer kann er sich langsam verbreitern, ohne dabei hoch oder grob zu werden.
Die kleinen, wechselständig angeordneten Blätter sind derb, ledrig und dunkelgrün. Ihre Form erinnert etwas an Myrte oder kleinen Lorbeer. Während des Winters kann das Laub bronzefarbene, purpurbraune oder rötlich braune Töne annehmen. Die Pflanze bleibt dabei belaubt und erhält gerade in der kalten Jahreszeit eine interessante, etwas herbe Wirkung.
Je nach Standort und Witterung erscheinen die weißen Blüten von April bis Mai oder Anfang Juni. Die kleinen, wachsartig wirkenden Blütenglocken hängen in einseitig angeordneten, beblätterten Trauben an den vorjährigen Trieben. Anschließend entwickeln sich kleine, zunächst rötliche und später graubraune Kapselfrüchte.
Besonderheit und Kulturgeschichte
Die Art wurde von Carl von Linné 1753 zunächst als Andromeda calyculata beschrieben. Conrad Moench stellte sie 1794 in die neu geschaffene Gattung Chamaedaphne. In älterer britischer Gartenliteratur wird ihre Einführung aus dem östlichen Nordamerika auf das Jahr 1748 datiert.
Auch die Zwergform besitzt eine lange Geschichte. Sie wurde bereits 1821 als Andromeda calyculata var. nana veröffentlicht und später als Chamaedaphne calyculata var. nana geführt. Heute wird sie im Gartenbau überwiegend unter dem Sortennamen ‘Nana’ angeboten.
Standort und Pflege
Die Zwerg-Sumpfheide benötigt einen sauren, humosen und dauerhaft feuchten bis nassen Boden. Ideal ist ein nährstoffarmes Moorbeet mit einem pH-Wert deutlich unter 6. Kalkhaltige Erde und kalkreiches Gießwasser sind ungeeignet.
Anders als bei vielen anderen Gartensträuchern muss Staunässe hier nicht vermieden werden. Die Art wächst in ihrer Heimat regelmäßig auf wassergesättigten, schlecht entwässerten Böden und verträgt zeitweise flaches stehendes Wasser. Austrocknen darf das Substrat dagegen nicht.
Geeignet sind sonnige bis leicht halbschattige Plätze. Je sonniger der Standort ist, desto zuverlässiger muss die Wasserversorgung sein. Zum Gießen eignet sich möglichst kalkarmes Regenwasser.
Ein regelmäßiger Rückschnitt ist nicht erforderlich. Abgestorbene oder störende Zweige können nach der Blüte entfernt werden. Gedüngt werden sollte nur sehr zurückhaltend, da die Pflanze an nährstoffarme Moorböden angepasst ist.
Klimatische Aspekte
WHZ: 4–7
Die Zwerg-Sumpfheide ist sehr frosthart und wird je nach Quelle mit einer Winterhärte bis etwa −30 °C angegeben. Die Royal Horticultural Society bewertet die Art mit H6, entsprechend ungefähr −20 bis −15 °C.
Weniger gut verträgt sie längere Hitzeperioden in Verbindung mit einem austrocknenden Wurzelbereich. Auch im Winter darf das immergrüne Laub nicht über längere Zeit unter Wassermangel leiden. Bei einer Kultur im Topf oder Trog muss deshalb ganzjährig auf eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit geachtet werden.
Praxistipp
‘Nana’ eignet sich besonders für kleine Moorbeete, saure Uferbereiche oder größere Pflanzgefäße mit dauerhaft feuchtem Moorsubstrat. Zusammen mit Andromeda polifolia, Vaccinium oxycoccos oder Sarracenia purpurea entsteht eine abwechslungsreiche Pflanzung mit unterschiedlichen Blattformen und Wuchshöhen. Ein Platz im gewöhnlichen Steingarten passt dagegen nur, wenn das Substrat sauer ist und niemals vollständig austrocknet.










