Herkunft und Einordnung
Stewartia sinensis, die Chinesische Stewartie, gehört zur Familie der Teestrauchgewächse (Theaceae). Ihre Heimat liegt in Zentral-, Süd- und Südostchina, wo sie in Bergwäldern und an bewaldeten Hängen wächst.
Sie besiedelt vor allem gemäßigte Waldregionen mit ausreichenden Niederschlägen und humosen, gut durchlässigen Böden.
Die Gattung Stewartia ist eng mit den Kamelien (Camellia) verwandt. Diese Verwandtschaft zeigt sich besonders in den weißen, schalenförmigen Blüten mit ihren zahlreichen gelben Staubgefäßen.
Der Gattungsname erinnert an John Stuart, den dritten Earl of Bute (1713–1792), einen schottischen Staatsmann und botanisch interessierten Förderer der Pflanzenkunde. Die Schreibweise Stewartia geht auf die ursprüngliche botanische Benennung zurück.
Der Artname sinensis bedeutet „aus China stammend“.
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1915 durch Alfred Rehder und Ernest Henry Wilson in Charles Sprague Sargents Werk Plantae Wilsonianae.
Wuchs und Blätter
Die Chinesische Stewartie entwickelt sich zu einem sommergrünen Großstrauch oder kleinen Baum mit zunächst aufrechtem, später breiterem und unregelmäßig verzweigtem Wuchs.
In Kultur erreicht sie häufig etwa 5–8 m Höhe. Unter günstigen Bedingungen können ältere Exemplare auch größer werden.
Die Krone ist meist locker aufgebaut und besitzt eine elegante, natürliche Verzweigung. Sowohl einstämmige als auch mehrstämmige Exemplare sind möglich.
Die wechselständig angeordneten Blätter sind elliptisch bis eiförmig und besitzen eine zugespitzte Blattspitze sowie einen fein gesägten Rand.
Im Austrieb erscheinen sie frischgrün, gelegentlich mit leicht bronzefarbenen Tönen. Während des Sommers entwickelt sich ein kräftiges Grün.
Im Herbst verfärbt sich das Laub in Gelb-, Orange- und Rottöne. Die Intensität der Färbung kann je nach Standort und Witterung unterschiedlich ausfallen.
Besonders charakteristisch ist die Rinde älterer Exemplare.
Die äußeren Rindenschichten lösen sich in unregelmäßigen, dünnen Platten ab und geben darunter liegende Partien in Zimtbraun, Rotbraun, Grau und teilweise rosafarbenen Tönen frei.
Dadurch entsteht ein lebhaftes, mosaikartiges Muster, das besonders während der laublosen Wintermonate auffällt.
Blüte und Früchte
Die Chinesische Stewartie blüht gewöhnlich im Frühsommer, meist im Juni und Juli.
Die weißen, schalenförmigen Blüten erscheinen einzeln in den Blattachseln an den jungen Trieben.
Sie besitzen fünf weiße Kronblätter und ein auffälliges Zentrum aus zahlreichen goldgelben Staubgefäßen.
Ihre Form erinnert an einfache Kamelienblüten. Die Blüten können einen leichten Duft besitzen.
Da sich die einzelnen Knospen nacheinander öffnen, erstreckt sich die Blütezeit über mehrere Wochen.
Nach der Blüte entwickeln sich kleine, holzige Kapselfrüchte. Diese reifen im Herbst und öffnen sich schließlich, um die enthaltenen Samen freizugeben.
Besonderheiten und Kulturgeschichte
Die Chinesische Stewartie gehört zu den Gehölzen, deren wissenschaftliche Erforschung eng mit den großen botanischen Expeditionen nach China zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbunden ist.
Besonders Ernest Henry Wilson (1876–1930) spielte bei der Erschließung der chinesischen Gehölzflora eine bedeutende Rolle.
Wilson bereiste China mehrfach und sammelte zahlreiche Pflanzen, Samen und Herbarbelege, die später in europäischen und nordamerikanischen botanischen Sammlungen untersucht wurden.
Gemeinsam mit Alfred Rehder beschrieb er 1915 Stewartia sinensis als eigenständige Art.
Die Beschreibung erschien in Plantae Wilsonianae, einem mehrbändigen Werk über die von Wilson in China gesammelten Pflanzen.
Botanisch ist die Art auch deshalb interessant, weil innerhalb von Stewartia sinensis mehrere geografisch und morphologisch unterscheidbare Varietäten anerkannt werden.
Die Royal Botanic Gardens, Kew, führen neben der typischen Varietät auch Stewartia sinensis var. brevicalyx und var. shensiensis.
Im Vergleich zur bekannteren Japanischen Stewartie (Stewartia pseudocamellia) besitzt die Chinesische Stewartie häufig eine besonders fein strukturierte, zimt- bis rotbraune Rindenzeichnung.
Die Kombination aus weißen Sommerblüten, farbigem Herbstlaub und dekorativer Winterrinde macht sie zu einem ungewöhnlichen Gehölz für botanische Sammlungen und größere Gärten.
Standort und Pflege
Stewartia sinensis bevorzugt einen hellen, halbschattigen bis sonnigen Standort mit Schutz vor austrocknenden Winden.
Besonders günstig sind tiefgründige, humose, gleichmäßig frische und gut durchlässige Böden.
Die Art bevorzugt eine saure bis schwach saure Bodenreaktion. Stark kalkhaltige Böden sind weniger geeignet.
Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit ist vor allem während der Anwachsphase wichtig. Längere Trockenperioden sollten vermieden werden.
Gleichzeitig ist eine gute Durchlässigkeit erforderlich, da dauerhaft vernässte, sauerstoffarme Böden die Wurzelentwicklung beeinträchtigen können.
Eine lockere Mulchschicht aus Laubhumus oder anderem organischem Material hilft, die Bodenfeuchtigkeit auszugleichen.
Auf regelmäßige Schnittmaßnahmen kann weitgehend verzichtet werden. Die natürliche Wuchsform entwickelt sich am schönsten ohne größere Eingriffe.
Klimatische Aspekte
Die Chinesische Stewartie besitzt eine gute Winterhärte, wobei die Angaben in der gärtnerischen Literatur je nach Herkunft und Standort variieren.
Für die Kultur in Mitteleuropa sind geschützte Standorte mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit und guter Durchlässigkeit empfehlenswert.
Junge Pflanzen können bei starken Frösten empfindlicher reagieren als ältere, gut eingewachsene Exemplare.
Auch winterliche Austrocknung und starke Temperaturschwankungen können junge Pflanzen belasten.
Während der Vegetationsperiode ist eine gleichmäßige Wasserversorgung günstig. Längere Trockenperioden bei hohen Temperaturen sollten vermieden werden.
Praxistipp
Die Chinesische Stewartie eignet sich besonders als Solitärgehölz für geschützte Gartenbereiche, lichte Gehölzränder und größere Sammlungen.
Ihre dekorative Rinde kommt besonders gut zur Geltung, wenn die Pflanze mehrstämmig wachsen darf und die Stämme auch im Winter sichtbar bleiben.
Eine Kombination mit Rhododendren, Azaleen und Farnen bietet sich aufgrund ähnlicher Bodenansprüche an.
Ein heller Standort mit leichter Beschattung während der heißesten Tagesstunden ist häufig günstiger als tiefer Schatten.












