Immer öfter - heiß und trocken
Teilen
Es ist Sommer 2026. Wieder erleben wir Hitze, Trockenheit und Wassermangel im Garten. Heiß und trocken ist nichts Neues. Ich erinnere mich gut an den Sommer 2003. Die Wiesen waren verbrannt. Unsere Hochlandrinder litten unter der Hitze. Wir stellten Regner für sie auf. Die Abkühlung wurde dankbar angenommen. Seitdem sind mehr als 20 Jahre vergangen. Ein einzelner heißer Sommer wäre nicht ungewöhnlich. Geändert hat sich die Häufigkeit solcher Jahre. Auch die Länge trockener Perioden ist anders. Vor allem die Verteilung des Niederschlags hat sich verändert. Genau diese Verteilung kann eine Niederschlagsstatistik verschleiern. Deshalb fange ich damit einmal an.
42 Millimeter Regen – und wir müssen trotzdem weitergießen
Ein kleines Beispiel: Innerhalb von ungefähr 15 Minuten fallen 42 mm Regen. Gab es in den letzten Jahren mehrmals in ähnlicher Form. Das klingt erst einmal gewaltig. Und wer nur die Niederschlagsmenge betrachtet, könnte denken: Wunderbar, jetzt haben die Pflanzen endlich wieder ausreichend Wasser.
Leider nein.
Das erste Foto habe ich kurz nach dem Regen gemacht, das zweite am folgenden Vormittag.
Das Wasser war gerade einmal ungefähr drei Zentimeter tief in den Boden eingedrungen. Darunter: staubtrocken. Pflanzenverfügbares Wasser sieht anders aus.
Für die Statistik war dieser Regen allerdings hervorragend. Mit diesem einen Ereignis lagen wir damals im August 2022 bereits bei mehr als 60 mm Niederschlag. Auf dem Papier also ein durchaus ordentlicher Wert.
Nur können Pflanzen mit einem Monatsmittelwert nichts anfangen.
Entscheidend ist, wann und wie der Regen fällt. Wie viel davon dringt in den Boden ein? Wie viel Wasser bleibt für die Wurzeln verfügbar?
42 mm in 15 Minuten sind etwas völlig anderes als 42 mm, die über viele Stunden als ruhiger Landregen fallen.
Genau diesen feinen, anhaltenden Landregen, wie wir ihn von früher kennen, vermissen wir zunehmend. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann der das letzte Mal hier gefallen ist.
Wir messen unseren Niederschlag seit 2010 selbst
Unser Garten und Arboretum liegt in Niedersachsen, im weiteren Raum Hannover/Bremen. In unserer Umgebung befinden sich mehrere große Moorgebiete.
Ebenso gibt es seit etwa 10 Jahren immer mehr Windparks. Wir erwähnen das bewusst, weil wir schon seit vielen Jahren beobachten, dass Wetterfronten hier teilweise ein ausgesprochen interessantes Eigenleben entwickeln. Immer wieder ziehen größere Regengebiete auf uns zu, teilen sich kurz vor unserer Region und schließen sich Richtung Bremen wieder.
Natürlich ist eine solche Beobachtung noch keine meteorologische Untersuchung. Wenn man aber über Jahrzehnte täglich draußen arbeitet, entwickelt man zwangsläufig einen ziemlich genauen Blick für das eigene lokale Wetter. Das langjährige Niederschlagsmittel lag für unseren Standort im Messzeitraum 1985 bis 2010 bei etwa 737 mm im Jahr.
Seit 2010 messen wir selbst und verfügen deshalb inzwischen über tagesgenaue eigene Aufzeichnungen. Interessanterweise hat sich die jährliche Gesamtniederschlagsmenge im Mittel bis 2021 gar nicht dramatisch verändert. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch zu unserer Beobachtung zunehmender Trockenheit. Ist es aber nicht.
Zum einen wird unser Mittelwert durch einzelne sehr niederschlagsreiche Jahre nach oben gezogen. 2014, 2017 und 2019 sowie 2021 lagen wir beispielsweise jeweils bei mehr als 800 mm. Zum anderen ist die Jahressumme allein für einen Garten oder ein Gehölz nur bedingt aussagekräftig.
Hier wird es nämlich interessant: die Jahre 2023 und 2024. Mit 1.014 mm beziehungsweise 915 mm waren beide Jahre bei uns ausgesprochen niederschlagsreich. Alleine im Dezember 2023 regnete es hier jeden Tag, insgesamt fast 180 mm. Wie das Jahr endete, begann auch 2024 – alleine in den ersten 6 Tagen fielen über 60 mm. Zahlen sind also nur die halbe Geschichte.


Kurz nach Weihnachten 2023 begann bei uns eine Hochwasserlage. Unser kleiner Bach wurde zu einem Fluss. Große Flächen standen unter Wasser. Die Böden waren vollkommen gesättigt.
Unsere 80-jährige Nachbarin hat so etwas noch nie erlebt. Wenige Monate später reden wir wieder über Trockenheit. 2025 gab es erst Mitte Juli nennenswerten Regen. Außer etwas Schnee im Januar. Nennenswert ist hier alles über 5 mm. Daher kommt der geringe Wert für 2025. Dieses Jahr sieht es vermutlich ähnlich aus wie 2025.
Dieser Gegensatz zeigt uns sehr deutlich, worum es geht. Es ist nicht einfach nur „weniger Regen“. Wir erleben Jahre mit enormen Niederschlagsmengen. Hochwasser und wassergesättigte Böden sind vorhanden. Trotzdem fehlt Pflanzen Wasser in der Vegetationsperiode.
Die Jahresniederschlagsmenge sagt immer weniger über die Wasserversorgung aus. Ein Zuviel im Winter gleicht ein Zuwenig im Frühjahr nicht aus. Wasser fließt ab oder steht auf gesättigten Böden. Man kann es nicht für den nächsten trockenen Mai aufheben.
Der Wechsel der Extreme ist deshalb genauso wichtig. Es gibt zu nass und zu trocken. Viel Niederschlag fällt in kurzer Zeit. Dazwischen gibt es lange Phasen mit kaum Regen.
Entscheidend ist nicht nur wie viel, sondern wann
Unsere Winter sind längst nicht mehr so kalt wie früher. Mildere Winter können gleichzeitig sehr niederschlagsreich sein. Und genau dort scheint sich bei uns ein Teil des Niederschlags zunehmend zu konzentrieren: in den Monaten November bis Februar. Das Wasser fehlt dafür ausgerechnet dann, wenn die Vegetation es benötigt.
Ein extremes Beispiel waren März, April und Mai 2020. In diesen drei Monaten haben wir lediglich 55 mm, 9 mm und 29 mm Niederschlag gemessen. Gerade einmal 93 mm in drei Monaten – und das zu Beginn der Vegetationsperiode. Auch in einigen Jahren davor und danach gab es ähnliche Entwicklungen, unterbrochen von einzelnen niederschlagsreichen Jahren.
Hinzu kommen längere niederschlagsfreie Perioden und mehr Sonne. Bei uns beschleunigt permanenter Wind die Austrocknung. Auch die Windrichtungen scheinen sich verändert zu haben. Wir erkennen dies an alten Windschutzpflanzungen. Hecken, die einst Schutz boten, stehen nun ungünstig. Zwischen ihnen sind regelrechte Windschneisen entstanden.
Regen ist nicht gleich Regen
Ein gutes Beispiel ist der Mai 2019. In diesem Monat fielen 47 mm Niederschlag. Das klingt nicht außergewöhnlich trocken. Diese 47 mm verteilten sich auf nur drei Tage. Einmal 25 mm in 15 Minuten. Einmal 20 mm und einmal 2 mm. Ein Starkregenereignis bringt viel Wasser. Auf ausgetrocknetem Boden läuft vieles oberflächlich ab. Tiefere Bodenschichten werden kaum erreicht. Für Gehölze mit tiefen Wurzeln ist der Regen allein nicht entscheidend. Entscheidend ist, ob das Wasser die Pflanze erreicht.
Sandstürme gab es viele
Sorbus im Juli
Lebkuchenbaum blattlos
Herbst Anfang August 2018
Trockenstress bei Pflanzen nicht nur durch wenig Regen, sondern auch geringe Luftfeuchte und viel Wind
Die ersten Trockenschäden bei Heiß und trocken sahen wir schon um 2010
Etwa ab 2010 begannen wir, sichtbare Trockenschäden an verschiedenen Bäumen und Sträuchern zu dokumentieren. Damals war noch längst nicht jedes trockene Frühjahr sofort ein „Jahrhundertereignis“. Trotzdem zeigten einzelne Gehölze bereits deutlich, dass etwas nicht mehr so funktionierte wie zuvor.
Natürlich entstehen Schäden an Gehölzen, wenn außergewöhnlich heiße und trockene Sommer auftreten – besonders, wenn mehrere solcher Jahre aufeinanderfolgen. Die interessantere Frage ist deshalb: Können sich diese Pflanzen wieder vollständig erholen, wenn anschließend mehrere „normale“ Jahre folgen?
Grundsätzlich können Gehölze erstaunlich regenerationsfähig sein. Ihre Erholung hängt von vielen Faktoren ab. Art, Alter, Standort, Boden und Mikroklima spielen eine Rolle. Auch die Dauer des Trockenstresses ist wichtig. Schäden an Feinwurzeln, Leitungsbahnen oder Kronenteilen beeinflussen dies. Irgendwann ist jedoch eine Grenze erreicht.
Nicht jedes Gehölz verkraftet mehrere Extremjahre hintereinander. Dies ist auch außerhalb unserer Gärten sichtbar. Fichtenbestände brechen zusammen. Buchen zeigen an verschiedenen Standorten Schäden. Bei der Fichte kommt ein weiterer Punkt hinzu. Sie wurde großflächig an ungeeigneten Standorten gepflanzt.
Ein Baum aus kühleren, niederschlagsreicheren Bergregionen wird durch trocken-heiße Bedingungen in der Tiefebene zwangsläufig stärker unter Druck gesetzt.
Wie aber nun mit den veränderten Gegebenheiten umgehen?
Spannend deshalb die Frage, ob man etwas ändern kann. Nur erst einmal für sich, im eigenen Garten. Gibt es da Möglichkeiten? Einen Gedanken dazu finde ich spannend. Gehölze, die sich beispielsweise durch Selbstaussaat von klein auf an einem extremen Standort entwickeln konnten, zeigen teilweise eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit.
Standortangepasste Herkünfte oder Ökotypen könnten wichtig sein. Wir meinen hier nicht nur heimische Gehölze. Sie hatten Zeit, auf diese Bedingungen zu reagieren. Dies führt zu einer unbequemen Frage. Tun wir Pflanzen einen Gefallen? Bieten wir ihnen immer perfekte Bedingungen während der Anzucht?
In großen, hoch technisierten Produktionsbetrieben lassen sich Wasser, Nährstoffe, Temperatur und teilweise auch Licht sehr genau steuern. Pflanzen wachsen dadurch schnell, gleichmäßig und verkaufsfähig. Das ist aus Sicht einer modernen Pflanzenproduktion nachvollziehbar und gewünscht.
Was passiert mit Pflanzen ohne Mangel in der Jugend? Wenn Wasser knapp wird. Wenn Wind tagelang austrocknet. Wenn es keinen Dünger mehr gibt. Wenn niemand für optimale Bedingungen sorgt. Man muss differenziert betrachten, wie Anzucht die Trockenheitsresistenz beeinflusst.
Aus unserer Beobachtung ist es ein Fehler, Stress zu vermeiden. Das gilt auch im eigenen Garten. Tägliches Gießen bei Hitze ist für Gärtner unerlässlich. Aber ist es wirklich das Beste für die Pflanze?
Anfang Juli 2026
Dichte Pflanzung für Clethra und Hortensie
Kleine Sandflächen in der Sonne
Ohne Wasser, volle Sonne 08/2026
Nicht jedes hängende Blatt braucht sofort eine Gießkanne
Auch im Privatgarten wird oft bei Trockenheit gegossen. Pflanzen reagieren auf Sonne und Hitze. Sie zeigen vorübergehend schlaffe Blätter. Das bedeutet nicht sofort, dass gegossen werden muss. Wassermangel kann echten Stress verursachen. Er führt schließlich zu Schäden. Zwischen optimaler Versorgung und lebensbedrohlicher Trockenheit liegt ein großer Bereich. Wir bewirtschaften ein relativ großes Gelände. Dort haben wir viele Gehölzarten an unterschiedlichen Standorten. Dadurch können wir gut vergleichen. Gegossen werden bei uns vor allem Neuanpflanzungen. Bei eingewachsenen Gehölzen greifen wir erst bei Leiden ein. Auch dann bewässern wir oft nur gezielt.
Eine große Ausnahme war 2018. In diesem Sommer haben wir zeitweise täglich zwischen 1.000 und 3.000 Liter Wasser ausgebracht. In diesem Umfang war das bei uns bislang einmalig. Aber auch da muss man dazu sagen, dass die Pflanzung noch recht jung war und noch lange nicht eingewachsen genug. Ob 2026 noch trockener wird in unserer Region - wir werden sehen.
Auch im Privatgarten wird häufig gegossen, sobald einige Tage trockenes Wetter herrschen. Im Arboretum haben wir vor vielen Jahren außerdem aufgehört, die gesamten Rasen- und Wiesenflächen ständig kurz zu halten. Nach dem ersten Schnitt lassen wir große Bereiche wachsen. Gemäht werden anschließend im Wesentlichen nur noch Schneisen und Wege.
Das sieht ab Juli nicht unbedingt so aus, wie es Gartenzeitschriften gern auf ihren Titelseiten zeigen. Aber das ist uns inzwischen ziemlich egal und in diesem Jahr waren auch die Wege lange Zeit erstaunlich grün. Die höhere Vegetation beschattet den Boden, bremst den Wind unmittelbar über der Oberfläche und verringert die direkte Aufheizung und Austrocknung.
Vielleicht müssen wir unser Bild vom Garten im Hochsommer ändern. Er muss im August nicht wie im Mai aussehen. Das satte Grün wird den Monaten März bis Mai vorbehalten sein. Vielleicht auch noch Juni. Danach wird er bereits herbstliche Farben zeigen.
Wer das nicht erträgt, sollte auf silberfarbenes Laub umsteigen. Fraglich ist, was passiert, wenn es einen nassen Sommer gibt. Denn genau das wird die Herausforderung der Zukunft im Garten sein.
Einheimisch oder nicht einheimisch?
Eine Frage begegnet uns immer häufiger. Manchmal ist sie sehr aggressiv gestellt. Sind einheimische Gehölze grundsätzlich besser angepasst? Oder brauchen wir Arten aus anderen Regionen? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. „Einheimisch“ bedeutet nicht automatisch „trockenheitsverträglich“. Eine Art kann lange in einer Region vorkommen. Trotzdem braucht sie kühle, feuchte Standorte. Eine nicht einheimische Art ist nicht automatisch für Trockenheit geeignet. Interessanter ist ein Blick auf natürliche Standortbedingungen. Regionen des Mittelmeerraumes und des Kaukasus sind interessant. Bestimmte Gebiete Nordamerikas, Kanadas oder Asiens auch. Wir haben Gehölze aus verschiedenen Herkunftsgebieten. Sie überstanden den Sommer 2018 erstaunlich gut. Auch die trockenen Folgejahre bewältigten sie ohne Bewässerung.
Bevor man neue Pflanzen kauft, sollte man seinen Garten kennenlernen
Vielleicht ist der wichtigste Schritt nicht der Kauf einer neuen „Klimapflanze“. Vielleicht sollte man zuerst den eigenen Garten beobachten. Und zwar nicht nur im Juli.
- Wo liegen im Winter die kältesten Bereiche?
- Wo bleibt es lange nass?
- Welche Flächen trocknen bereits im Frühjahr schnell aus?
- Aus welcher Richtung kommt der Wind?
- Wo beschleunigt er die Austrocknung – und wo bremsen Gebäude, Mauern oder Hecken den Luftstrom?
- Wo liegt der Boden offen?
- Wo ist die Pflanzung so dicht, dass sich der Boden beschattet?
Auf unserem Gelände messen wir Temperaturunterschiede. Sie betragen bis zu 2 °C zwischen verschiedenen Bereichen. Dies gilt sowohl positiv als auch negativ.
Wir haben Stellen, an denen selbst im Sommer eine gewisse Restfeuchtigkeit erhalten bleibt. Nur wenige Meter entfernt gibt es Flächen, die bereits gegen Ende des Frühjahrs ausgesprochen trocken sein können. Das alles befindet sich im selben Garten.
Hecken schaffen kleine Klimaräume
Mit Hecken haben wir auf unserem Gelände im Laufe der Jahre kleine Gartenräume geschaffen. Das war ursprünglich nicht überall aus klimatischen Gründen geplant. Heute merken wir aber, welchen Unterschied solche Strukturen machen können. Sie bremsen Wind, beeinflussen Beschattung und Verdunstung und schaffen Bereiche, die sich hinsichtlich Temperatur und Bodenfeuchtigkeit deutlich voneinander unterscheiden können.
Unsere Pflanzungen sind sehr dicht. Das schuf große Bereiche, die Schattengärten sind. Unsere Leidenschaft für Gehölze ist nicht unschuldig daran. Auch sonnige Bereiche sind dicht bepflanzt. Der Boden liegt selten ungeschützt in der Sonne. Für manche mag das unordentlich aussehen. Doch es ist wichtig für Pflanzen und Insekten. Insekten können sich dort vor der Mittagshitze verkriechen. Wenn uns jemand nach einer Hecke fragt… …landen wir seit Jahren bei der Eibe.
Ja, Eiben sind giftig. Und ja, sowohl unsere Kinder als auch unsere Enkelkinder sind trotzdem in einem Garten mit Eiben groß geworden. Für uns sind sie nach wie vor außergewöhnlich gute und robuste Heckengehölze.
Unsere Eiben haben Hitze und Trockenperioden ausgesprochen gut überstanden. Sie vertragen Schatten ebenso wie Sonne, sind enorm schnittverträglich und bilden dichte, geschützte Strukturen. Wir schneiden unsere teilweise nur alle zwei bis drei Jahre.
Selbst eine alte Eibenhecke kann stark zurückgesetzt werden. Danach braucht sie Geduld. Bei uns sind das meist zwei Jahre. Aber sie treibt auch aus altem Holz wieder aus. Sie lässt sich neu aufbauen.
Muss deshalb jetzt der ganze Garten umgebaut werden?
Davon halten wir wenig. Es gibt ein Muster, das sich wiederholt. „Es regnet kaum, ist furchtbar trocken.“ „Alle wasserzehrenden Pflanzen müssen raus.“ „Sie müssen durch Trockenkünstler ersetzt werden.“ Dies ist dieses Jahr überall zu lesen.
Man bekommt den Eindruck, den halben Garten roden zu müssen. Dann alles mit „klimafesten“ Pflanzen bestücken. Dem Pflanzenverkäufer würde das nicht schaden. Und das sagen wir, die Pflanzen verkaufen. Trotzdem halten wir diesen Weg für falsch.
Bevor ein alter Baum oder Strauch entsorgt wird, sollte man schauen. Lassen sich seine Bedingungen verbessern? Manchmal reicht ein anderer Standort. Manchmal hilft eine benachbarte Pflanzung als Windschutz. Beschattung kann auch helfen. Manchmal muss der Boden besser bedeckt werden. Manchmal müssen wir akzeptieren, dass eine Pflanze im August anders aussieht. Sie sieht nach sechs Wochen Hitze nicht mehr aus wie im Mai.
Sie darf die Blätter einrollen, sie darf „traurig“ aussehen und sie darf eventuell auch alle Früchte/Samen abwerfen. Das ist schlicht und einfach Eigenschutz.


Noch ein Wort zum eigentlichen pflanzen
Ich denke an den Garten meiner Oma und Mutter. Ihre Art zu pflanzen fällt mir wieder ein. Ein Pflanzloch wurde ausgehoben. Es war mindestens doppelt so groß wie der Ballen. Zuerst kam Wasser hinein. Dann die Pflanze und anschließend Erde. Alles wurde gut angedrückt. Ein Gießring wurde angelegt. Dieser wurde nochmals mit Wasser gefüllt. Die folgenden Tage wurde der Gießring mehrmals gewässert. Fertig. Ich habe dieses Jahr ein Beet so bepflanzt. Bisher habe ich so gut wie nie gegossen. Nur gelegentlich punktuell etwas. Und das in einem reinen Sonnenbeet. Viele haben vergessen, wie man richtig pflanzt. Das erste Wasser ist unglaublich wichtig für den Wuchserfolg.
Muss nicht der Garten sich ändern - sondern unser Bild davon?
Wir haben bis heute keinen Baum oder Strauch entfernt. Nicht, weil er Schwierigkeiten mit trockenen Sommern hatte. Stattdessen haben wir unser Wunschbild vom Garten korrigiert. Vielleicht ist das ein Teil der Anpassung. Darüber wird viel zu wenig gesprochen.
Ein für mich besonders auffälliges Beispiel ist der Holunder. Noch 2014 konnte ich hier so viele Holunderbeeren ernten, dass ich daraus reichlich Saft gemacht habe. In den letzten Jahren ist das kaum noch möglich – eigentlich gar nicht mehr. Die Sträucher tragen zwar Früchte, oft auch reichlich, aber die Beeren schaffen es gar nicht mehr bis zur vollständigen Reife. Sie schrumpfen und vertrocknen bereits am Strauch.
Der Holunder selbst ist deshalb nicht gleich verloren. Solche Veränderungen finde ich interessant. Ein Gehölz kann einen Standort überleben. Es zeigt aber deutlich, dass die Bedingungen anders sind. Wachstum und Fruchtentwicklung sind nicht mehr dieselben. Ähnliche Beobachtungen machen wir bei anderen Gehölzen. Sie sterben nicht unbedingt ab. Manche reduzieren ihre Blattfläche. Andere werfen bei Trockenstress Früchte ab. Wieder andere gehen früh in den „Herbstmodus“.
Das sind Reaktionen auf Stress. Sie sind kein Grund, die Pflanze zu ersetzen. Ein Garten muss im Hochsommer nicht perfekt sein. Der Rasen darf auch gelb oder braun werden. Stauden dürfen schlapp aussehen. Ein Strauch darf bei 35 °C die Blätter hängen lassen. Ein Baum darf im August müder aussehen als im Mai.
Nicht jede sichtbare Stressreaktion ist ein Schaden. Nicht jeder Schaden bedeutet, dass eine Pflanze verloren ist. Natur heißt nicht zwölf Monate frisch und makellos. Vielleicht müssen wir uns anpassen. Nicht nur die Pflanzen an das veränderte Klima.
